Geschichte der Meteorologie
Die Meteorologie ist heute ein Teilgebiet der Physik, genauer der
Geophysik. Sie wird auch als Physik der Atmosphäre bezeichnet. Doch das war
nicht immer so:
Frühe Entwicklungen
Vor dem 19. Jahrhundert gab es keine eigenständige Wissenschaft vom
Wetter. Viele Erkenntnisse,
die man heute als meteorologisches Wissensgut bezeichnen würde, wurden damals entweder der Geografie
oder aber der Physik zugeordnet. Dies änderte sich im 19. Jahrhundert, als man systematisch begann,
gesammelte Datensätze vorwiegend in Form klimatologischer Karten zu veranschaulichen.
Als Mitte des 19. Jahrhunderts der elektrische Telegraf erfunden wurde, versuchte man, diese
neue Kommunikationstechnologie verstärkt dazu einzusetzen, Wetterdaten von verschiedenen Orten
zu einem bestimmten Zeitpunkt an zentraler Stelle zusammenzutragen und verschiedenartig
(besonders in Hinblick auf Wettervorhersagen) auszuwerten. Dies war der Ursprung der
synoptischen Meteorologie. Synoptik bedeutet
übersetzt "Zusammenschau".
Früher mussten die Synoptiker noch ohne hochauflösende Satellitenbilder auskommen (Foto MODIS).
Und so ging es weiter
Die Klimatologie und die Synoptik bestimmten in der Folge bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts
die Wissenschaft vom Wetter. Neben den rein auf Erfahrungswerten beruhenden Interpretationen des Karten-
und Datenmaterials versuchte man verstärkt auch theoretische Erkenntnisse der Physik zu nutzen.
Es wurde zunehmend deutlich, daß die Vorhersagbarkeit des Wetters basierend auf alleinigen
Erfahrungswerten sehr begrenzt ist. Dagegen versprach eine fundierte Kenntnis der theoretischen
Hintergründe eine bessere Aussicht auf Erfolg. Durch diese Erkenntnis angetrieben entwickelte
sich rasch ein neues fachliches Teilgebiet: die theoretische Meteorologie. Sie bestand
aus der Anwendung physikalischer Grundgleichungen auf die Erdatmosphäre als thermo-hydrodynamisches System.
Da diese physikalischen Grundgleichungen zeitabhängige Differentialgleichungen sind,
war aus theoretischer Sicht klar, daß deren Lösung nach Vorgabe eines Anfangszustandes und
passender Randbedingungen eine Vorhersage der Zustands der Atmosphäre zu einem bestimmten, beliebig
gewählten künftigen Zeitpunkt, also eine Wettervorhersage, ermöglichen würde.
Die Komplexität des vollständigen Gleichungssatzes sowie die stets notwendigerweise mit Fehlern (Messfehler!)
behaftete Vorgabe eines real in der Atmosphäre existierenden Anfangszustandes stellen
jedoch bis heute ein großes Problem für die Meteorologie dar. Eine allgemeine Lösung
des Gleichungssatzes existiert daher nur in der Theorie. In der Praxis ist es unmöglich eine solch
allgemeine Lösung für die Grundgleichungen zu finden.
Was tun mit den Gleichungen?
Um aber überhaupt etwas mit den Gleichungen anfangen zu können, können sie z.B. unter idealisierten
Bedingungen oder nur für bestimmte Skalenbreiche gelöst werden. Dann fallen viele Terme in erster
Näherung weg und der Gleichungssatz vereinfacht sich entscheidend. Diese Vorgehensweise wurde
häufiger praktiziert und führte zu sehr tiefen theoretischen Einsichten in die in
der Atmosphäre ablaufenden Prozesse.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, mit Hilfe von Verfahren aus der numerischen Mathematik
eine Näherungslösung für einen ziemlich allgemein gehaltenen, also nur wenig vereinfachten Gleichungssatz,
Lösungen zu bestimmen. Diesen Weg ging L.F. Richardson bereits 1922 einmal mit Bleistift und Papier für
einen extrem vereinfachten Gleichungssatz, aber er scheiterte an dem enormen algebraischen Rechenaufwand, der
erforderlich war, um die numerische Lösung zu ermitteln.
Die Meteorologie heute
Für einige Jahre hatte man den sehr aufwendigen Ansatz von Richardson beiseite gelegt. Als jedoch
das Computerzeitalter begann, erinnerte man sich seiner damaligen Ansätze. Jetzt war es plötzlich möglich,
umfangreiche algebraische Berechnungen in kürzester Zeit von Rechenmaschinen durchführen zu lassen, und
da diese Rechenmaschinen stetig und immer schneller an Geschwindigkeit zulegten, entwickelte sich abermals ein
neues Forschungsfeld der Meteorologie - die numerische Meteorologie.
Als dann die numerischen Berechnungen ausgehend von einem bestimmten Anfangszeitpunkt
für einen Zeitpunkt in der Zukunft schneller voranschritten als die real ablaufende Zeit, war
der Zeitpunkt gekommen, ab dem die numerischen Wettervorhersagen ihren großen Siegeszug begannen.
Und sie siegen bis heute: inzwischen basieren die meisten Wetter- und Klimavorhersagen auf
den Ergebnissen von Wetter- und Klimamodellen, die auf den leistungsfähigsten Rechenanlagen
der Welt gerechnet werden.
Gehe zum Anfang der Seite
oder zu zurück zur Introseite
|