Der Lebenslauf einer Idealzyklone
Die Entstehung von Tiefdruckgebieten in den mittleren Breiten vollzieht stets auf eine
ähnliche Art und Weise. Wie, das ist Thema dieses Kapitels.
Die Zyklonen der Westwindzone der mittleren Breiten bilden sich stets an sog.
Frontalzonen,
d.h. an Zonen, in denen zwei unterschiedliche
Luftmassen aneinandergrenzen.
Die sog. Polarfront trennt dabei die warmen subtropischen Luftmassen im Süden
von den kalten Polarluftmassen im Norden. Sie ist die dominierende Frontalzone
für die Bildung der bei uns üblichen
Tiefdruckgebiete.
Im folgenden wird die Entwicklung eines Tiefdruckgebietes in Anlehnung an die berühmte
"Norwegische Schule" näher erläutert. Der Begriff der
Idealzyklone deutet dabei an, daß
es sich um theoretisches Ablaufmodell handelt, welches die einzelnen Entwicklungsphasen
eines realen Tiefdruckgebietes beschreibt. Die Entwicklung einer Idealzyklone erfolgt demnach
in mehreren Phasen:
Die einzelnen Phasen der Tiefentstehung
Im Ausgangsstadium verläuft die Polarfront
ungestört auf der Vorderseite eines
großräumigen Troges (also eines großen Gebietes, in dem die Polarluftmasse verhältnismäßig weit
nach Süden vorstösst) und ist optisch vom Satelliten aus durch ein schmales Wolkenband gekennzeichnet.
Sie verlagert sich kaum und hat häufig, jedoch keineswegs immer, einen Südwest-Nordost-Verlauf.
Nun sei angenommen, daß der
Luftdruck an einer Stelle der Polarfront zu fallen
beginnt. Dann strömt die bodennahe Luft in dieses Druckfallgebiet einzuströmen.
Dabei wird die Polarfront ein wenig deformiert und es entsteht eine
Welle. Das
Wellenstadium einer Zyklonenentwicklung ist optisch durch eine Verdickung
des Wolkenbandes in dem Bereich der Welle zu erkennen.
Bei weiterer Intensivierung des
Luftdruckfalls entwickelt sich ein bodennahes Tiefdruckgebiet mit
geschlossenen Isobaren, also Linien
gleichen Luftdruckes in der Wetterkarte. Der Luft
beginnt, zyklonal in das Gebiet des tiefen Druckes einzuströmen. Auf der sog. Rückseite
(Seite der Polarluftmasse) des jungen Tiefs wird die Polarluft in Richtung der subtropischen
Warmluftmasse geführt, auf der Vorderseite die subtropische Warmluft in Richtung
der polaren Kaltluft. Es haben sich also respektive eine
Kalt- und eine Warmfront ausgebildet.
Solche jungen Zyklonen
weisen noch einen ausgeprägten
Warmsektor, d.h. einen großen, mit
subtropischer Warmluft angefüllten Bereich zwischen der Kalt- und Warmfront auf.
Aufgrund ihrer geringeren
Dichte gleitet die subtropische Warmluft auf der polaren
Kaltluftmasse auf, während die Kaltluft genau umgekehrt sich wie ein Keil unter die Warmluft schiebt
und diese anhebt (bzw. vom Boden abhebt).
Bei der weiteren Entwicklung des Tiefs wird der Warmsektor zunehmend verkleinert,
da die Kaltfront (u.a. aufgrund der höheren Instabilität der Kaltluftmasse) stets rascher
vorankommt als die
Warmfront. Dadurch holt die Kaltfront die Warmfront zunächst
im Kernbereich des Tiefs ein. Die Warmluft wird bei diesem sog. Okklusionsprozess komplett
vom Boden abgehoben und ist anschließend nur noch in der Höhe vorhanden.
Am Boden findet man jetzt nur noch eine einzige, schwächer ausgeprägte Front: die Okklusionsfront.
Der Okklusionsprozeß setzt sich in der Folge gemäß einem Reißverschlußprinzip in die weiter
vom Tiefdruckzentrum entfernten Bereiche fort. Durch das fortlaufende spiralförmige Einströmen
der Luftmassen in das Tiefzentrum ist die Okklusion durch ein entsprechendes spiralförmiges Wolkenband
gekennzeichnet.
Im Auflösungsstadium ist das Tiefzentrum dann
bodennah weitgehend mit Kaltluft angefüllt und daher durch
Quellbewölkung gekennzeichnet.
Im Endstadium ist die Zyklone dann vollständig aus der
Bodenwetterkarte verschwunden.
In der Höhe ist dagegen noch ein Wirbel zu erkennen. Die Polarfront hat sich bei der gesamten
Tiefentwicklung weiter in Richtung der Warmluft verlagert. Es können sich neue junge Zyklonen bilden.
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